Was Sie bei der Desinfektion Ihrer Mikroskope beachten müssen

Wir werden häufig gefragt, wie sich Mikroskope und Mikroskopkomponenten desinfizieren lassen. Welche Desinfektionmittel dürfen verwendet werden?

Als Basis für Ihre individuelle Gefährdungsbeurteilung und Ihr Hygienekonzept haben wir aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in den unterschiedlichsten Labors und bei den verschiedlichsten Kunden die verschiedensten Szenarien für eine Desinfektion der Mikroskops zusammengestellt. Im Absatz “Warum wollen Sie Ihre Mikroskope desinfizieren?” finden Sie eine Beschreibung von Arbeitsläufen und Desinfektionsumfängen.

Der Absatz “Wie kann ich Mikroskope desinfizieren?” beschreibt den Konflikt zwischen den allgemeinen Empfehlungen zum Thema Flächendesinfektion und den Dokumentationen der Mikroskophersteller zum Thema “Desinfektion von Mikroskopen”.

Aus den aktuell verfügbaren Dokumentationen von LEICA / NIKON / OLYMPUS / ZEISS zum Thema “Mikroskope desinfizieren” ist der Absatz “Welches Desinfektionsmittel darf für Mikroskope genutzt werden?” entstanden.

Der letzte Absatz “Was kann man noch tun?” enthält Empfehlungen und Hinweise, wie Sie durch Änderungen in Abläufen und anderer Gerätenutzung die Gefährungspunkte deutliche reduzeiren können.

Bitte beachten Sie, die beschriebenen Szenarien und Abläufen geben lediglich unsere Erfahrungen wieder.

Jedes Mikroskop ist anders aufgebaut, die untersuchten Proben und die Abläufe der Untersuchung sind in jedem Labor verschieden.

Bitte verstehen Sie die Beschreibungen als Grundlage, die Sie bei bei der Erstellung Ihrer Gefährdungsbeurteilung und Ihres Hygienekonzeptesn nutzen können!

Warum wollen Sie Ihre Mikroskope desinfizieren?

Aus unsere langjährigen Erfahrung in den unterschiedlichsten Labors und Kundengruppen, haben wir die die folgenden drei Szenarien für eine Desinfektion der Mikroskops zusammengestellt. Für alle drei Sczenarien haben wir die Arbeitsabläufe und mögliche Desinfektionsumfänge dargestellt.

1. Sie arbeiten mit lebenden Objekten und wollen verhindern, das eine Übertragung von einer Probe zur nächsten Probe stattfindet – Übertragung von Probe zu Probe verhindern.

2. Sie arbeiten mit pathogenen Proben und wollen verhindern, das die Mikroskopnutzer infiziert werden – Übertragung von der Probe auf den Anwender verhindern.

3. Das Mikroskop wird von mehreren Personen benutzt. Sie wollen verhindern, das durch die Benutztung des Mikroskops ein Anwender den nächsten Anwender infiziert – Übertragung von einem Anwender auf einen anderen Anwender verhindern.

Übertragung von Probe zu Probe verhindern

Das “Einfachste” ist natürlich desinfizieren bzw. sterilisieren Sie Ihre Proben und das Problem ist erledigt. In den meisten Fällen funktioniert das nicht. Die Probe würde durch die Desinfektion verändert und Sie wollen die Probe unverändert untersuchen.

Ein typischer Arbeitsablauf, um ein Übertragen von Probe zu Proben zu verhindern, wäre:

  1. Der Anwender desinfiziert sich die Hände.
  2. Anschließend desinfiziert er die Komponenten am Mikroskop, die mit der Probe in Berührung kommen. Das sind im Wesentlichen der Mikroskoptisch, der Objektführer bzw. Halterahmen sowie die Immersions-Objektive.
  3. Jetzt kann die Probe unter dem Mikroskop positioniert werden.
  4. Bevor der Anwender etwas anderes berührt (Schreibtisch, Stifte, anderen Komponenten des Mikroskops) muss er sich die Hände erneut desinfizieren.
  5. Jetzt kann das Mikroskop bedient werden und die Probe untersucht werden.
  6. Anschließend wird die Probe vom Mikroskop entfernt. Dabei ist unbedingt drauf zu achten, dass nur die Probe berührt wird.
  7. Jetzt wieder Hände desinfizieren.
  8. Alle Komponenten des Mikroskops desinfizieren, mit denen die Probe in Berührung gekommen ist. Das sind im Wesentlichen der Mikroskoptisch, der Objektführer bzw. Halterahmen sowie die Immersions-Objektive.

Übertragung von der Probe auf den Anwender verhindern

Das “Einfachste” ist natürlich desinfizieren bzw. sterilisieren Sie Ihre Proben und das Problem ist erledigt. In den meisten Fällen funktioniert das nicht. Die Probe würde durch die Desinfektion verändert und Sie wollen die Probe unverändert untersuchen.

Ein typischer Arbeitsablauf, um ein Übertragen von der Probe auf den Anwender zu verhindern wäre das unter “Übertragung von Probe zu Probe verhindern” beschriebenen Verfahren. Meist wird in der Praxis folgendes Verfahren angewendet:

  1. Der Anwender desinfiziert sich die Hände.
  2. Anschließend desinfiziert er die Komponenten am Mikroskop, die mit der Probe in Berührung kommen. Weiterhin desinfiziert er alle Komponenten, die von den Anwendern berührt werden. Welche das sind, ist von Mikroskop zu Mikroskop verschieden. Mindestens jedoch der Mikroskoptisch inkl. Objektführer bzw. Halterahmen, die Tischverstellung in XY, der Fokus (Grob-und Feintrieb) auf beiden Seiten, die Helligkeitsreglung, der Kondensor inkl. Blenden und Verstellung, der Objektivrevolver inkl. aller Objektivaußenflächen, die Verstellung des Augenabstandes am Binokulartubus, die Verstellung der Dioptrienkorrektur an den Okularen, die Augenmuscheln sowie die Umschaltung zwischen Okular und Kamera. Eigentlich bleibt meistens nicht sehr viel übrig, was nicht berührt wird.
  3. Jetzt wird die Probe bzw. auch mehrere Proben untersucht. Achtung die Hände sind gerade “kontaminiert”, alles was Sie während der Untersuchung noch so berühren (Schreibtisch, Probenaufbewahrung, Tastatur, Maus, Zettel, Stifte …) muß anschließend ebenfalls desinfiziert werden.
  4. Wenn der Anwender die Untersuchung am Mikroskop beendet, desinfiziert er alles was mit der Probe in Berührung gekommen ist, was er angefasst hat, siehe Auflistung unter 2. und 3. und natürlich seine Hände.

Nur wenn der Arbeitsbereich frei und deutlich abgegrenzt ist und die Untersuchung ohne Unterbrechung erfolgt, kann dieses Verfahren funktionieren.

Übertragung von einem Anwender auf einen anderen Anwender verhindern

Das Problem ist bei dieser Übertragungsart ist, dass sich die Anwender während des Mikroskopierens sehr dicht am Mikroskop befinden. Das komplette Mikroskop befindet sich, während man in die Okulare eines Mikroskops schaut, im Bereich von weniger als 1 Meter von Mund und Nase entfernt. Daher sollte angenommen werden, dass das komplette Mikroskop und die Probe vom Anwender kontaminiert werden.

Um eine Übertragung von Anwender zu Anwender zu verhindern muss vor und nach jeder Benutzung alles desinfiziert werden, was von Anwender berührt wird. Welche das sind, ist von Mikroskop zu Mikroskop verschieden.

Mindestens jedoch der Mikroskoptisch inkl. Objektführer bzw. Halterahmen, die Tischverstellung in XY, der Fokus (Grob-und Feintrieb) auf beiden Seiten, die Helligkeitsreglung, der Kondensor inkl. Blenden und Verstellung, der Objektivrevolver inkl. aller Objektivaußenflächen, die Verstellung des Augenabstandes am Binokulartubus, die Verstellung der Dioptrienkorrektur an den Okularen, die Augenmuscheln sowie die Umschaltung zwischen Okular und Kamera. Eigentlich bleibt meistens nicht sehr viel übrig, was nicht berührt wird.

Bitte vergessen Sie nicht die Kontaktstellen des Kopfes und der Augen. Das betrifft besonders Okulare und Augenmuscheln.

Alles was Sie während der Untersuchung noch so berühren (Schreibtisch, Probenaufbewahrung, Tastatur, Maus, Zettel, Stifte …) muß anschließend ebenfalls desinfiziert werden.

Nur wenn der Arbeitsbereich frei und deutlich abgegrenzt ist und die Untersuchung ohne Unterbrechung erfolgt, kann dieses Verfahren funktionieren.

Wie kann ich Mikroskope desinfizieren?

Desinfektionsmittel sind keine Reinigungsmittel! Bevor Sie eine Fläche desinfizieren sollte Sie sauber sein!

Wählen Sie Ihr Desinfektionsmittel möglichst so, das die Einwirkzeit kurz ist. Während der Einwirkzeit muß, die zu desinfizierende Fläche vollständig benetzt sein und muß während der gesamten Einwirkzeit feucht bleiben!

Die Mikroskophersteller empfehlen aber so wenig Flüssigkeit wie möglich zu verwenden:

„Eine der größten Gefahren beim Reinigen, Desinfizieren oder Sterilisieren optischer Oberflächen ist die Gefahr, dass sich die bei der Linsenmontage verwendeten Kitte auflösen. Bei jedem Objektiv wird sehr sorgfältig darauf geachtet, dass die Glas-Metall-Verbindungen so gut wie möglich abgedichtet sind, jedoch ist das Eindringen von Lösungsmitteln möglich, und es sollte sehr darauf geachtet werden, so wenig Flüssigkeit/Gas wie möglich zu verwenden.“

Sie müssen einen Kompromiss zwischen “so wenig Flüssigkeit wie möglich” und “vollständig benetzt während der gesamten Einwirkzeit” finden!

Sollte Desinfektionsmittel auf die Optik kommen (Okulare und Objektive) sind diese anschließend noch einmal zu reinigen/putzen.

Welches Desinfektionsmittel darf für Mikroskope genutzt werden?

Die Mikroskophersteller empfehlen für den Einsatz auf allen Oberflächen inkl. der Optik nur Ethanol. Weiterhin wird Isopropanol in Kombination mit Wundbenzin als Reinigungsmitel empfohlen. Ein Einsatz als Desinfektionsmittel kommt ebenfalls in Frage. Die Konzentrationsangaben der Mikroskophersteller für Ethanol variieren zwischen 70-95%.

Bitte prüfen Sie, welches Desinfektionsmittel bei den bei Ihnen vorhandenen von Bakterien, TBC, Sporen, Pilze und Viren wirksam ist!

Für alle anderen Desinfektionsmittel außer Ethanol gelten immer Einschränkungen wie:

  • „Niemals auf optischen Oberflächen oder Beschichtungen verwenden.“
  • „Denken Sie daran, keine organischen Lösungsmittel außer Ethanol zu verwenden, die Kunststoffteile beschädigen können.“
  • “nicht kompatibel”

In der nachfolgend aufgeführten Anleitung “Mikroskope desinfizieren” finden Sie eine kleine Übersicht weiterer möglicher Desinfektionsmittel mit der Einschränkung „Niemals auf optischen Oberflächen oder Beschichtungen verwenden.“.

Was kann man noch tun ?

Wenn von den Proben keine Gefahr ausgeht und es nur um die Übertragung von Anwender zu Anwender geht, können Sie die gemeinsame Nutzung verhindern, indem Sie jedem Anwender ein eigenes Mikroskop zur Verfügung stellen.

Weiterhin können Sie die Anzahl der Berührungspunkte am Mikroskop verkleinern. Oft sind universelle Mikroskope im Einsatz mit denen die unterschiedlichsten Untersuchungen durchgeführt werden können. Dazu sind eine Vielzahl an Komponenten und Bedienelementen verbaut.

Nutzen Sie stattdessen Mikroskope, die genau für eine Untersuchung optimiert sind. Diese haben wesentlich weniger Komponenten und Bedienelemente und alles was nicht da ist muß auch nicht desinfiziert werden.

Betrachten Sie Ihre Probe auf dem Monitor anstelle in den Okularen. Aktuelle Mikroskopkameras haben eine Livebildauflösung von 4K UHD. Mit einem passenden Monitor sehen Sie alle Details Ihrer Probe schon im Livebild. Und mit den heutigen Möglichkeiten von Online-Videokonferenzen und Meetings können Sie mit Ihren Kollegen auch im Home-Office die Ergebnisse besprechen.

Mehr Informationen auf den Seiten der Mikroskophersteller

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